Auf seiner Reise trifft Mark auf viele Menschen, Zwerge, auf Zauberer und zahlreiche andere Kreaturen. An einer Stelle des Buches wurde er von seinen bisherigen Reisegefährten getrennt und trifft dort auf ein Volk von Wesen, die er bisher noch nicht gesehen hatte:
Seit drei Tagen lief Mark jetzt schon durch die Gegend. Dabei wich er nicht von seinem neuen Weg ab. Immer weiter entfernte er sich von der Großen Stadt und seinen Freunden in östliche Richtung. Denn in diese Richtung musste er gehen.
Seit er die alte Wohnstätte der Violer verlassen hatte, folgte er einem Fluss, der sich durch die Landschaft zog. Auch der Lauf des Wassers führte gen Osten und zusammen trieb es sie in eine gemeinsame Richtung.
Über ihm zogen die Wolken dahin, so dass sich die Sonne nur selten zeigte. Es regnete zwar nicht, doch erhellte der Schatten der schwebenden Wasserspeicher auch nicht unbedingt seine Stimmung. In melancholischer Gemütsart trottete er immer dem Plätschern des Wassers folgend dahin. Seine Gedanken schweiften mal hierhin, mal dorthin. Das monotone Rauschen brachte ihn in eine Stimmung, in der seine Gedanken schwermütig abschweiften.
Gegen Mittag machte er, wie schon die Tage zuvor, am Ufer des Flusses Rast und tauchte seine, durch des vielen Laufens müde gewordenen Füße in das kühle Wasser.
Essbare Pflanzen wuchsen in Hülle und Fülle das ganze Ufer entlang, so dass Mark sich gar keinen Vorrat mehr angelegt hatte, sondern beim Vorbeigehen die Früchte einfach von den Büschen pflückte. So saß er mit einer Handvoll Beeren auf einem Stein. Das an seinen Füßen vorbei strömende Wasser erzeugte kleine Strudel, die er gedankenverloren beobachtete.
„Nicht doch. Nicht doch. Ihr macht es falsch. Die Fische schwimmen da vorne.“
Mark sah sich um, jedoch erblickte er niemanden.
„So verjagt Ihr die Fische doch nur. Törichter Mensch.“
Jetzt konnte Mark etwas erkennen. Ein kleines Wesen mit braunen, verfilzten Haaren und grüner Kleidung kam durch die Wiese auf ihn zugelaufen. Es schien, noch kleiner als ein Zwerg zu sein, und ging Mark höchstens bis zur Brust.
Dieses Wesen rannte jetzt mit entsetzter Miene auf ihn zu. Mark zog seine Füße wieder aus dem Wasser und drehte sich zu ihm um, um zu erfahren, was der Grund des Aufruhrs war (und um zu sehen, um was für ein Wesen es sich wohl handeln würde).
„Wenn Ihr Fische angeln wollt, müsst Ihr an die Biegung gehen, da sammeln sie sich.“
Mit diesen Worten stemmte dieser kleine Wichtel seine Hände wichtigtuerisch in die Hüften. Mark musste bei diesem Anblick schmunzeln.
„Entschuldigung, aber ich wollte gar nicht angeln. Ich habe nur meine Füße abgekühlt.“
„Füße abgekühlt? Nur die Füße ins Wasser gehalten und nicht geangelt?“
Dabei schaute ihn das Wesen mit misstrauischen Augen an. Wieder musste Mark lächeln.
„Warum macht Ihr so etwas mit den armen Fischen?“
Mark wollte jetzt erst mal die Kommentare des kleinen Wesens ignorieren. Stattdessen stellte er sich vor.
„Ich heiße übrigens Mark. Wer bist du?“
„Ach ja, ich habe nicht verraten, wer ich bin. Da kommt ein Elfenreiter und ich bin so unhöflich. Verzeiht mir, ich werde seit meiner Geburt Ferdod genannt. Das leitet sich ab von Fahr-dodos“, sagte er mit nicht geringem Stolz. Mark erschien es, er müsste jetzt beeindruckt sein.
„Oh, und für was steht das?“
„Das steht für gar nichts, Herr Mark. Ich stehe hier einfach nur so wie immer.“
Etwas verwirrt von dieser Antwort stemmte sich Mark hoch, blieb jedoch in der Hocke, um besser mit dem kleinen Wicht reden zu können.
„Warum nennst du mich Elfenreiter? Und auch sonst kannst du mich einfach nur Mark nennen.“
„Einfach nur Mark? Alles klar.“
Das kleine Wesen schien eindeutig erleichtert, dass Mark ihm nicht böse war. Mark betrachtete sein Gegenüber eindringlich.
„Was bist du eigentlich für einer? Gehörst du zu den Zwergen?“
„Zwerge? Du meine Güte, nein, nein. Ich gehöre zu den Erdgnomen. Wir haben unsere Höhlen da vorne. Sie müssen unbedingt meine Mutter kennenlernen und deren Mutter. Eine ganz reizende Frau.
Bist du gekommen, um uns von den Drachen zu befreien, einfach nur Mark, Sir?“
Jetzt blieb Mark die Sprache weg.
„Ihr habt einen Drachen hier?“, fragte er den Erdgnom.
„Einen? Das wäre ja schön. Nein, nein. Erst waren es zwei. Doch die werden immer mehr. Jetzt sind sie zwei Drachen und noch einer.“
„Drei Drachen?“
„Ja, zwei Drachen und noch ein Drache. Der dreite Drache ist aber ein kleiner Einer. Aus dem Ei geschlüpft. Blasthemo hat es gesehen. Aber den wirst du wohl noch kennenlernen, du mutiger Drachenkämpfer.“
Jetzt nannte er Mark auch noch einen Drachenkämpfer. Er hatte keineswegs vor, gegen einen Drachen zu kämpfen. Bestimmt nicht. Dennoch folgte er Ferdod, der immer wieder voller Ungeduld vor- und zurückrannte, damit Mark ihm auch ja folgte.
Wie sich herausstellte, waren die Erdgnome allgemein ein recht einfaches Volk. Mark folgte Ferdod ungefähr eine Viertelstunde. Dann wurde die Gegend hügeliger. Als sie zwischen den Hügeln liefen, stieß Ferdod schon einen freudigen Pfiff aus. Daraufhin tauchten überall neugierige Köpfe auf, die Mark manchmal argwöhnisch, manchmal fröhlich winkend begrüßten.
Sogleich kam ein alter Erdgnom zwischen hohem Gras hervor. Er hatte einen weißen Bart und einen großen Stock in der Hand. Auf Mark wirkte er wie eine kleine Version von Tombars. Dieser alte Erdgnom ging geradewegs auf Ferdod zu und schlug ihn mit seinem Stab auf den Kopf.
„Warum empfängst du unseren Gast nicht, wie es sich gehört, du dummer Narr? Wo ist das Begrüßungsgetränk?“
„Aua. Ja, ja. Habe ich vergessen.“
Jetzt schaltete sich Mark dazwischen.
„Hallo. Ich glaube, er kann nichts dafür. Er hat mich gerade erst hergeführt. Es war noch keine Zeit…“
„Papperlapapp. Ein Tunichtgut ist das. Solche Ausreden zählen nicht. So, und wer bist jetzt du.“
Mit diesen Worten drehte sich der alte Erdgnom zu Mark und stockte in seinem Tun.
„Oh. Ich wusste ja nicht… dass wir einen so hohen Besuch hier haben. Entschuldigen Sie mich für den dürftigen Empfang.“
Er schlug einen anderen Erdgnom in der Nähe auf den Kopf. „Schnell, bringt ihm noch ein Getränk.“
„Danke. Aber eins reicht mir, denke ich.“
„Nein, nein. Das muss so sein. Sie waren lange nicht hier.“
Mark schaute verwirrt drein.
„Ich… ich war noch nie…“
„Papperlapapp“, winkte der alte Mann wieder ab.
„Schon lange warst du und deinesgleichen nicht mehr da. Tatsächlich war ich damals noch ein kleiner Gnom.“
Jetzt schien der alte Mann mehr mit sich selbst zu sprechen. In der Zwischenzeit kam Ferdod mit einer Holzschüssel zurück, in der eine braune Flüssigkeit schwamm.
Dankend nahm Mark die Schüssel entgegen und trank einen vorsichtigen Schluck. Es war gar nicht so schlecht, wie er befürchtet hatte. Zum Glück. Er wollte nämlich nicht unhöflich sein und da hinten kam schon der andere Erdgnom mit der zweiten Schüssel.
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